Noch einmal über unseren ungarisch-polnischen Event

Polak, Węgier — dwa bratanki,
i do szabli, i do szklanki,
oba zuchy, oba żwawi,
niech im Pan Bóg błogosławi.

Lengyel, magyar — két jó barát,
együtt harcol s issza borát.

Mögen Pole und Ungar Cousins sein, gut im Kampf, gut im Feiern, beide wacker, beide lebhaft, sei Gottes Segen mit ihnen.

Polnisch-ungarisches Literaturtreffen am 23. März in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg

Am 12. März 2007 hat das ungarische Parlament einstimmig den 23. März zum Tag der Polnisch-Ungarischen Freundschaft erklärt, vier Tage später hat das polnische Parlament (Sejm) einen ähnlichen Beschluss per Akklamation gefasst. Dieses wenig bekannte Datum war ein Anlass zum polnisch-ungarischen Autorentreffen in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg. Die Organisation der Veranstaltung, die auf Initiative der Vereinigung Kolonya Magyar Berlin zustande kam, übernahm die stellvertretende Vorsitzende des Vereins Städtepartnerschaft Stettin-Kreuzberg/Friedrichshain, Dorota Kot.

Die Lebensläufe von Ewa Maria Slaska und Györgi Dalos haben viele gemeinsame Nenner: beide gehörten in ihren Ländern zu der antikommunistischen Opposition und wurden durch Repressalien zum Verlassen der Heimat gedrängt. Sowohl Ewa als auch Györgi entschieden sich für Deutschland, was angesichts ihrer jüdischen Abstammung keine Selbstverständlichkeit ist. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass sowohl Ewa als auch Györgi vor der Schriftstellerei ihr Glück in anderen Berufen suchten, Györgi als Historiker, Ewa studierte Pädagogik, Archäologie und Ethnographie. Beide Schriftsteller können viele Werke, Auszeichnungen und Stipendien vorweisen, ihr künstlerisches Schaffen stellte der Moderator des Treffens, Schriftsteller, Mitglied der Opposition in der DDR und Herausgeber des Magazins „Parataxe”, in dem Werke der in Berlin lebenden Schriftsteller aus der ganzen Welt erscheinen, Martin Jankowski, vor.

Im ersten Teil der Veranstaltung las Ewa Maria Slaska ein Fragment ihres kürzlich auf Polnisch erschienenen Romans „Lublinerowie” (Die Lubliners), der der Geschichte ihrer Familie und der Suche nach den Wurzeln gewidmet ist. Über ihre jüdische Abstammung erfuhr die Autorin erst nach der Übersiedlung nach Berlin. Das Thema der Familiengeheimnisse, des Verschweigens und Lügens ließ Ewa Maria lange Zeit nicht in Ruhe. Nach vielen Jahren gelang es ihr, die Familiengeschichte zu rekonstruieren, „Die Lubliners“ sind das Ergebnis dieser Suche.

Auch das letzte, noch nicht veröffentlichte Buch von Györgi Dalos ist ein biografisches Werk. In dem vorgelesenen Fragment stellte der Autor auf eine humorvolle und distanzierte Art die Absurde des Lebens im realen Sozialismus. Die Erinnerung an Ersatzgüter in den fast leeren Regalen der Lebensmittelgeschäfte während der Volksdemokratie wurde sowohl durch das polnische als auch durch das ungarische Publikum mit lautem Lachen empfangen.

Die Diskussion der Schriftsteller mit dem Moderator Marin Jankowski und dem Publikum kreiste um die Suche nach der Quelle der ungarisch-polnischen Freundschaft. Ewa Maria Slaska erinnerte an den Aufstand in Ungarn im Oktober 1956, einen Aufstand, dem eine blutig niedergeschlagene Erhebung in Polen im Juni desselben Jahres voranging. Der polnische Aufstand führte zum „Tauwetter“ und Machtübernahme durch Władysław Gomułka. Während der Demonstration in Budapest wehten die polnischen Fahnen, um die Unterstützung für die „Tauwetterperiode” in Polen auszudrücken. Auch Györgi Dalos rief die gemeinsame Geschichte der Polen und Ungarn in Erinnerung, darunter auch den ungarischen König Polens Stefan Batory. Er kommentierte mit seinem typischen Sinn für Humor: „Die Freundschaft zwischen unseren Völkern dauert bis heute an und wird noch lange andauern, weil wir keine gemeinsame Grenze haben”. Zum Schluss widmete man sich der aktuellen politischen Situation in beiden Ländern, die dazu führte, dass beide Schriftsteller sich erneut in ihrer Heimat als Oppositionelle fühlen.

Das wunderschöne Frühlingstreffen begleitete wunderbare Musik, die auf Streichinstrumenten durch das Trio: Martyna Wochna, Natalia Potman i Nicola Lewicka aus Stettin gespielt wurde. Der Ungarische Tanz Nr. 5 von Brahms und die Polonaise von Michał Ogiński waren ein würdiger Abschluss des Abends.

  1. Martyna Wochna: Henryk Wieniawski – 3rd caprice in D major
  2. Begrüßung Dorota Kot, Einführung Martin Jankowski, Lesung: Ewa-Maria Slaska
  3. Natalia Potaman: Witold Lutosławski – Recetativo
  4. Lesung: György Dalos
  5. Nicola Lewicka: Edgar Elgar – Salut D‘Amour
  6. Diskussion mit beiden Autoren (20 min)
  7. Abschluss = Trio:
    Stanisław Moniuszko – Trio in d minor, II mvm;
    Brahms – Hungarian Dance no.5;
    Michał Ogiński – Polonez

Die Fotos sind von Ela Kargol