Aus dem Deutsch-Polnischen in Berlin

Kindheit in Deutschland / Dzieciństwo w Polsce

eine Lesung am 4. November 2015

Schon der Ort der Lesung war ein Erlebnis: die ‘Spukvilla’ in Berlin-Tempelhof!

Beim Bau der Villa im schönsten Landhausstil der Gründerjahre im ausgehenden 19.Jahrhundert wurden Gebeine, Waffen und Uniformreste französischer Soldaten aus der napoleonischen Zeit gefunden, sogar eine Kriegskasse wurde versteckt – so sagt man. Die Geister der Soldaten sollen angeblich herumspuken auf der Suche nach dem verlorenen Schatz.

Spukvilla   TempelhofBetritt man die freundlichen Räume dieser Villa mit Garten, der Salon mit Stuck an der Decke, alles hell und schön renoviert, so kann man sich herumspukende Gespenster eigentlich nur schwer vorstellen!

Polenbuch_coverAus dem Sammelband mit polnischen und deutschen Kindheitsgeschichten lasen vier Autoren und Autorinnen vor, Marek Czuku kurze Gedichte, Schlaglichter auf eine Kindheit in Polen in den 60er und 70er Jahren. Justyna Fijałkowska, geb. 1978, erzählte von einer kleinen ‘Prinzessin’, die meinte dass ihr geliebter Opa eigentlich ein ‘König’ sein müsse und bei der Begegnung mit einem ‘Prinzen’ eher ambivalent auf einen weiteren Träger einer ‘Krone’ reagierte. Alles nicht so wie in einem Märchen, keine glückliche Lösung in Sicht, wie kompliziert doch alles in Wirklichkeit ist!

Heinrich von der Haar, Herausgeber des zweisprachigen Sammelbandes, und Heidi Ramlow, die Verlegerin des Buches, schilderten in ihren Texten die verstörenden Lebensbedingungen im Nachkriegsdeutschland, von Kindern, die es schwer hatten sich darin zurechtzufinden, mit Erwachsenen, die in dieser Zeit wenig Sicherheit boten, eher selbst traumatisiert und entwurzelt waren.

Hört man diesen Autoren und Autorinnen zu, dann sieht man die Welt mit den Augen der jeweiligen Kinder, hineinversetzt in ihre Lebenswirklichkeit. Da gibt es keine Verklärung, nichts Süßliches, die Welt ist ambivalent, voller Rätsel, sich in ihr zurechtzufinden eine Herausforderung/ Überforderung. Die Welt ist unheimlich, in ihrer Realität gespenstisch!

Ich denke auch in beschützten, ‘glücklichen’ Kindheiten gibt es diese Erfahrung!

Zwischen den Lesungen, sang der griechische Musiker Marc Alexey schöne Lieder zur Gitarre, eine kleine Entspannung und ein Aufatmen für die Zuhörer und die Zuhörerinnen.

Es wird im nächsten Sammelband um griechische Kindheiten gehen!

Weitere Lesungen siehe HIER: Kindheiten in Polen und in Deutschland