Aus unserer Veranstaltungsreihe: Beata Kozak 2

„Wie Kiefern im flachen Sand“

2016 Vortrag Beata Kozak

2016 Vortrag Beata Kozak, Foto Christine Ziegler

Bei Reisen durch die früher deutschen Gebiete in Polen hatte ich mich schon oft gefragt, was es wohl für die dort lebenden Menschen bedeuten mag, dass sie in einer Umgebung leben, die nicht oder nur teilweise von ihrer eigenen Kultur geprägt wurde. Ich war deshalb sehr gespannt auf den Vortrag von Beata Kozak und wurde nicht enttäuscht. Mir wurden die Augen geöffnet für eine Realität, die noch viel komplizierter war, als ich sie mir vorstellen konnte. Es reichte ja schon, dass in den Wohnungen und in der Stadt die Spuren der früheren Bewohner noch überall zu sehen waren. Gleichzeitig verspürten die neu Zugezogenen offenbar auch kein Bedürfnis, sich mit ihrem eigenen Flüchtlingsschicksal und der neuen Situation auseinanderzusetzen. Sie hatten andere Sorgen und lebten „wie Kiefern im flachen Sand“. Für die Kinder wurde dadurch das Geheimnisvolle und Bedrückende nur noch verstärkt. Dazu kam dann noch die staatliche Propaganda, die praktisch leugnete, dass es überhaupt eine deutsche Vergangenheit gab.

Beata Kozak hat die verwirrende Gefühlssituation aus eigenem Erleben sehr authentisch, plastisch und humorvoll beschrieben. Sie spricht von einem Gefühl „fehlender Eindeutigkeit und Sicherheit“ gegenüber der Umgebung. Es war gut zu hören, dass nicht zuletzt auch der Humor den Menschen geholfen hat, mit der Situation fertig zu werden, z. B. indem die Menschen die offizielle Formel der Regierung, dass man in die neuen Gebiete nicht gekommen, sondern zurückgekehrt sei, ironisch auch im täglichen Leben verwendeten.

Es wurde klar, dass die postdeutschen Erfahrungen die polnischen Bewohner in den ehemals deutschen Gebieten mit geprägt haben. Eine interessante Frage für das deutsch-polnische Verhältnis ist, wie sich diese Erfahrungen jetzt und in Zukunft auf das Verhältnis der Betroffenen zu Deutschland auswirken.

2016 Vortrag Beata Kozak

2016 Vortrag Beata Kozak, postdeutsche Möbel; Foto (vom Bildschirm) Christine Ziegler