Die schöne Unbekannte

STETTIN/SZCZECIN
Die schöne Unbekannte


Am 15. November haben die “Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund” und das “Deutsches Kulturforum östliches Europa” unterstützt von der Stadt Stettin/ Szczecin in die Ministergarten Nummer 3 nahe des Potsdames Platzes zu dem Themenabend
“STETTIN/SZCZECIN – Die schöne Unbekannte” eingeladen. Zahlreich strömten die Gäste. Beinahe feierlich wurde der Abend durch einen Chor junger Stettinerinnen und Stettiner der “Akademie für Kunst und Musik” sehr stimmungsvoll eröffnet. Nach einer Begrüßung durch die Gastgeber zeigte der kurze Film des Senders ARTE “Metropolenreport Stettin” auf, warum sich junge Leute gerade diese schöne Unbekannte ausgewählt haben um Kunst und Kultur zu frönen. Hier ist alles noch immer im Werden und sich Entwickeln, nicht zuletzt ausgelöst durch die Durchtrennung des Eisenen Vorhangs, dem EU-Betritt in 2004 und den vielen damit verbundenen sozialen und kulturellen Veränderungen.
Auch beim anschließenden Podiumsgespräch mit Piotr Krzystek (Stadtpräsident von Stettin/Szczecin), Anne Quart, Staatssekretärin für Europa (Land Brandenburg), Ines Küster, Teilnehmerin eines Schreibworkshops über Stettin/Szczecin und Boddan Twardochleb, Journalist des “Kurier Szczecínski” unter Moderation von Dr. Jan Musekamp (Europa-Iniversität Viadrina, Frankfurt/Oder) wurde übereinstimmend die positive Entwicklung der Stadt hervorgehoben. Junge Leute besuchen die Universitäten und Hochschulen; die wundervolle Philharmonie besitzt touristische Attraktivität neben dem Schloss, der historischen Altstadt und den Museen und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten.
Erfreulich ist auch die  grenzüberschreitende Zusammenarbeit der beiden Länder; die Kontakte zwischen Berlin und Stettin/Szczecin könnten aber noch intensiviert werden. So soll die Entfernung zwischen beiden Städten nur 127 km Luftlinie betragen. Von der Moderation wurde augenzwinkernd nachgefragt wann denn die Bahn zwischen Berlin und Stettin/Szczecin wieder so schnell wie vor 80 Jahren fahren würde? Dazu wurde von der Staatssekretärin des Landes Brandenburg ausgeführt, dass diesbezüglich Planungen des Bundesverkehrsministeriums für den Abschluss eines Ausbaus im Jahr 2024 vorliegen, allerdings sind diese (derzeit!) nur eingleisig geplant.
Vor dem Hintergrund, dass ältere Stettiner noch in ihrem Elternhaus die Zerrissenheit der Kriegsgeneration miterlebt haben z.B.im Hinblick auf die umfangreichen Umsiedlungen, die zwangsweise vorgenommen worden sind, wurde diese Frage, nämlich ob für junge Leute heute noch die politische Situation nach dem 2. Weltkrieg sehr gegenwärtig sei, an Frau Ines Küster gerichtet. Ihr Eindruck deckt sich mit dem anderer Podiumsteilnehmer. Die Jugend weiß wohl um die Vergangenheit, aber es ist nicht die ihrige. Sie ist in Stettin/
Szczecin und Umgebung großgeworden, das ist der Ort, “ihr Ort”, an dem sie aufgewachsen ist. Sie interessiert sich für Dinge des alltäglichen Lebens und Arbeitens in Stettin/Szczecin, in Polen, in Europa. Ein Europa mit Grenzen – so wie es sie einmal dort gab – können sich die jungen Menschen in Stettin/Szczecin nicht vorstellen.
Der Abend klang aus mit einem wunderbaren Gedicht über die Stadt Stettin/Szczecin  von Ines Küster sowie Louis Armstrong’s “What a wonderful world” in Chorfassung und mit Pierogi und einem Glas Wein in geselliger gemeinschaftlicher Runde.