Film Frauen der ersten Stunde in der Regenbogenfabrik

Vor hundert Jahren war meine Großmutter 20 Jahre alt. Sie war die Tochter eines Metzgers aus Wielichów. Sie ging in eine deutsche Grundschule unddann eine Hausfrauen-Schule. Es war halt die Zeit der Teilung Polens und sie lebte in preussichen Deutschland. Sie arbeitete in einer Lichtkörperfabrik in Nowy Tomyśl, war sozial engagiert, kümmerte sich um Kinder in den Weisenhäuser und war Mitglied der Kampf-Organisation „Sokół” (“Falke”), die die Polen zum Kampf um Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihrer Heimat vorbereitet hat. War sie eine der sog. Starken Frauen (Siłaczka), wie man polnische Frauen der ersten Stunde des Frauenkampfes nannte?

Die Berliner Premiere des Films „Siłaczki” („Frauen der ersten Stunde“) fand gestern in der Regenbogenfabrik in Kreuzberg statt. Der mit den Werken der Berliner Künstlerin, Ania Krenz dekorierter Kinoraum war brechend voll. Die Macher des Films, Marta Dzido und Piotr Śliwowski, beantworteten die Fragen auf interessante und ergänzender Weise und sprachen über die Geschichte hinter der Entstehung des Films.

Der Film handelt von unseren Großmüttern und Urgroßmüttern, von denen wir zu wenig wissen.
Sie haben keine Kriege gewonnen, sie haben keine Politik gemacht, sie haben nicht studiert und vor allem hatten sie kein Wahlrecht.

20 Jahre alt war meine Großmutter 1918. Im Gegensatz zu meinem Wissen um die Leistungen meines Großvaters, weiß ich sehr wenig über ihr Leben. Sie war eine Frau und gehörte zur Hälfte der Gesellschaft, wo nur wenige von ihnen Geschichte aufgezeichnet haben. Es waren solche Frauen wie die Schwestern Zofia und Aniela Tułodziecki, Maria Dulębianka, Kazimiera Bujwidowa, Paulina Kuczalska-Reinschmit, Zofia Daszyńska-Golińska  (Autorin der Losung »Die Rechte werden uns nicht gegeben! Unsere Rechte müssen wir erkämpfen!«) und viele andere haben vor hundert Jahren die Gleichberechtigung für alle unabhängig von ihrem Geschlecht errungen.

Wir Frauen kämpfen immer noch für unsere Rechte und wir rufen wie vor über 100 Jahren polnische Schriftstellerin Zofia Nałkowska rief: “Wir wollen das ganze Leben!”

Über unsere Großmüttern und Urgroßmüttern erfuhren wir viel Neues am 7. März in der Regenbogenfabrik!!!

Berliner und deutsche Premiere des polnischen Films “Siłaczki” / “Frauen der ersten Stunde”

Organisation der Veranstaltung: Ewa Maria Slaska, Städtepartner Stettin
Organisation des Abends: Christine Ziegler, Regenbogenfabrik
Kunst (auf dem Filmplakat und auf den Wänden): Anna Krenz, Ryss und Dziewuchy Berlin
Filmprojektion: Chris, Regenbogenkino
Übersetzung der Filmuntertiteln: Maria Gast-Ciechomska

Finanzierung: Städtepartner Stettin, Fundacja Heinricha Bölla, Warszawa

Piotr Śliwowski (Regisseur, Autor), Marta Dzido (Regisseurin, Drehbuchautorin), Prof. Magdalena Waligórska (Moderatorin), Dorota Cygan (Übersetzerin)