Hermann Stöhr und Stanisław Kubicki

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Am 28. Oktober fuhren Ewa Maria Slaska und Anne Schmidt nach Stettin, um der Eröffnung der Ausstellung über Hermann Stöhr und Stanisław Kubicki in Książnica Pomorska beizuwohnen. Städtepartner Stettin e.V. war der Initiator der gemeinsamen Ausstellung über diese zwei markante Persönlichkeiten von dem virtuellen Grenzgebiet zwischen Damals und Jetzt und zwischen Deutschland und Polen.

Anne Schmidt

“Eine starke Burg ist unsere Bibliothek” könnten die Stettiner über ihre Bibliothek singen, denn diese thront wie eine wilhelminische Wehranlage auf einer der Stettiner Endmoränen gegenüber von einem ähnlichen roten Backsteingebäude, in dem die medizinische Fakultät der Stettiner Universität untergebracht ist, die von einer internationalen Studentenschaft besucht wird.

Sicherlich ist u.a. diesem Umstand die Größe, Modernität und Beliebtheit der Stadtbibliothek zuzuschreiben, denn schon am Morgen saßen junge Leite mit dicken Büchern und Laptops an den lichten Arbeitsplätzen auf mehreren Etagen. Sie ließen sich auch nicht von den geräuscharmen Aufbauarbeiten der Berliner Friedensaktivisten stören, die die Ausstellung zu Hermann Stöhr und Stanisław Kubicki installierten.
In der Feierstunde zur Ausstellungseröffnung stellte Ewa Maria Slaska den Maler Stanisław Kubicki vor,
der einige Jahre mit der gebürtigen Berlinern, Margarete Kubicka, und seinen Kindern in der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz gewohnt hat.
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Ewa Maria Slaska, die das erste Buch über Kubicki herausgegeben hat (die Autorin, Dr. Lidia Głuchowska ist auch Kuratorin der Ausstellung), beschrieb mit Hife seiner – an die Wand gebeamten – Bilder, sein Leben und seine leider nur sehr kurze Schaffensperiode; am ersten Weltkrieg nahm er als Soldat teil .  Im zweiten Weltkrieg ging er in den polnischen Untergrund. Er wurde als Kurier tätig, gefangen genommen und 1942 im Pawiak Gefängnis in Warschau ermordet.
Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek Berlin stellte den zahlreichen – hauptsächlich polnischen – Zuhörern
den Kriegsdienstverweigerer Hermann Stöhr vor, der als evangelischer Christ Jugendarbeit in Berlin und Stettin
geleistet hatte. Er weigerte sich an dem “staatlich organisierten Morden” teil zu nehmen, wurde im August 1939 inhaftiert und 1941 in Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet.
Die Ausstellung über beide Widerständler und Opfer des Nazi-Regimes wird im Frühjahr 2017 im Kreuzberger Rathaus an der Yorckstraße zu sehen sein.
Rechts: Frau Winiarska, stellvertr. Direktorin der Stastbibliothek; im Hintergrund die erste Tafel der Präsentation von Dr. Lidia Głuchowska über Stanisław Kubicki; die Präsentation wurde vorgetragen von Ewa Maria Slaska, Vorsitzende des Vereins Städtepartner Stettin, der der Initiator der Ausstellung war.
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Oben – Zuschauer vor der Ausstellung über Stanisław Kubicki; unten – die Stettinern und Berlinern fotografiert mit der Ausstellung über Hermann Stöhr im Hintergrund. Es stehen v.l.: Frau Kozicka, Red. Twardochleb und Frau Winiarska, Direktorin der Stadtbibliothek aus Stettin sowie die beiden angereisten Berlinern  – der Kurator Jochen Schmidt und sein Mitarbeiter Andree Vogel, von der Friedensbibliothek, die die Ausstellung über Hermann Stöhr organisierte. stoehr-kubicki-stettin28102016-6
Eine Führung durch die Stettiner Stadtbibliothek, die vom Direktor und seiner Stellvertreterin organisiert wurde, ließ auch einen Einblick in das Archiv des Hauses zu, dessen alte Schätze die Zerstörung der Stadt überstanden, während die ausgelagerten Archivexemplare zum größten Teil verloren gingen.
Jeder, der einen Reisetripp nach Stettin plant, sollte den kurzen Weg vom Bahnhof zur “Bücherburg” wagen;
eine kleine Stärkung im gemütlichen Studentencafe auf der gegenüber liegenden Straßenecke, neben dem ältesten Haus Stettins, kann eine anschließende Begutachtung des alt-neuen Gebäudes oder seiner Schätze
nicht beeinträchtigen.
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Fotos, Unterschrifte und Kommentare (alle kursiv) von Ewa Maria Slaska