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Beitrag über Kunst und soziales Engagement während des Krieges, aber auch heute

Diskussion in Kooperation mit Städtepartner Stettin

13.9.16 | 20 Uhr | RegenbogenKino

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Hermann Stöhr, 1898 – 1940
Der überzeugte Christ und Pazifist engagierte sich für sozial gefährdete Jugendliche. 1939 verweigerte er den Waffendienst in der Wehrmacht und wurde deshalb in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Die Erfahrungen des ersten Weltkriegs machten aus dem Kriegsfreiwilligen und Marineoffizier einen überzeugten Pazifisten.

Bei Kriegsausbruch 1939 verweigerte er sich dem Militärdienst. Auch die Möglichkeit eines „harmlosen” Postens im Militär lehnte er kompromisslos ab. „Es kam ihm darauf an, ‘Nein’ zu sagen. Ein ‘Nein’ zu Hitler, seinem System und vor allem zum Krieg. … Obwohl das Reichskriegsgericht alle Anstrengung machte, um Stöhr von seinem Entschluss abzubringen, stand er zu seinen pazifistischen Grundsätzen.” (Hans-Rainer Sandvoß, Widerstand in einem Arbeiterbezirk, Berlin 1983, S. 75).
Er wurde zum Tode verurteilt und im Gefängnis Plötzensee enthauptet. Beigesetzt wurde Stöhr auf dem St. Johannis-Friedhof II. Das Grab wurde wohl in der zweiten Hälfte der 70er Jahre eingeebnet. Es gibt dort inzwischen einen Gedenkstein (s.d.).

Stanislaw Kubicki, 1889 – 1942
Zu Ostern 1927 zieht der am 20. Januar 1889 in Ziegenhain geborene Dichter und Maler polnischer Herkunft Stanislaw Kubicki mit seiner Frau, der Kunstlehrerin Margarete Kubicka und ihren beiden Kindern in die Hufeisensiedlung.
Das Künstlerpaar ist führendes Mitglied der 1917 in Posen (Poznán) gegründeten deutsch-polnischen Künstlergruppe BUNT („Revolte“). Sie knüpfen Kontakte zu Künstlerkreisen um die Zeitschrift „Die Aktion“ von Franz Pfemfert. Als 1922 die Künstlergemeinschaft „Die Kommune“ gegründet wird, sind die Kubickis mit dabei und organisieren mit anderen gemeinsam die „Internationale Ausstellung revolutionärer Künstler“.
Zum Freundeskreis der Kubickis kommen in Britz neben Künstlern wie Otto Freundlich, Franz Wilhelm Seiwert und Raoul Hausmann der Maler Heinrich Vogeler und der Dichter Erich Mühsam hinzu, die in unmittelbarer Nachbarschaft leben.

Mit der Machtübergabe der Nationalsozialisten 1933 kommt es auch im Haus der Kubickis zu Hausdurchsuchungen durch die SA. Ende 1934 verlässt Stanislaw Kubicki schließlich Deutschland und geht nach Posen. Dort findet er Anschluss an die Kunstszene und ist im Vorstand des Literatenvereins von Posen aktiv. Nach der Besetzung Polens 1939 schließt er sich der nationalen polnischen Widerstandsbewegung an und wird als Kurier zwischen Warschau und Berlin eingesetzt.

Im Juni 1941 wird Stanislaw Kubicki auf der Beerdigung seines Freundes und ehemaligen BUNT-Mitglieds Jerzy Hulewicz in Warschau durch die Gestapo verhaftet. Nach der Gegenüberstellung mit seiner Frau Margarete in Berlin wird er in das berüchtigte Pawiak-Gefängnis in Warschau überstellt. Dort wird er 1942 ermordet. Ein genaues Todesdatum ist bis heute nicht zu ermitteln.

Margarete Kubicka gelingt es, ihre und die Werke ihres Mannes über die Kriegswirren hinweg zu retten.

Eintritt frei – Spenden willkommen.