Stettiner Berliner

Tekst po polsku TU: Wycieczka do Szczecina

Ausflug nach Stettin
am 28. September 2019

Im Rahmen des Projekts „Stettiner-Berliner” besuchte unsere zwölf Personen zählende Gruppe (Mitglieder des Vereins „Städtepartner Stettin e. V. und Gäste) Stettin. Die Reise fing sehr früh an, da die Deutsche Bahn für uns einige Hindernisse bereithielt, die wir tapfer überwunden haben.
Der Bahnhof in Stettin befindet sich direkt an der Oder, dort, wo früher preußische Festungsanlagen standen. Am 15. Juni 1843 erreichte der erste Zug aus Berlin den Bahnhof, der nach feierlicher Eröffnung sieben Jahre lang den Namen Berliner Bahnhof trug.

Unser Zug erreichte den Bahnsteig 1, den einzigen mit der ursprünglichen Überdachung. Dort wurden wir von drei netten Herren: Mirek und Zbigniew, Vertreter der Siedlungsräte von Zentrum West und Turzyn, und Robert, einen passionierten Kenner des alten Stettins und Reiseführer, in Empfang genommen. Leider vergaß ich den Namen unseres Busfahrers, der stets versuchte, uns lange Fußwege zu ersparen.


Die Stadtrundfahrt begann. Beim Vorbeifahren sahen wir ein Haus in der ehemaligen Bergstraße (heute ul. Owocowa), das durch die alte Aufschrift „Kolonialwaren“ an die deutsche Vergangenheit der Stadt erinnerte.

Kurz darauf erreichten wir das ehemalige Berliner Tor (ursprünglich Brandenburger Tor, heute Brama Portowa/Hafentor). Das Tor im Barockstill wurde nach einem Projekt des holländischen Festungsbaumeisters Gerhard Cornelius von Wallrawe 1725-1727 erbaut. Die Attika ziert eine in goldenen Buchstaben geschriebene Aufschrift: „Friedrich Wilhelm, König von Preußen, kaufte das Herzogtum Stettin, welches den brandenburgischen Kurfürsten übertragen und den Herzögen von Pommern unter ihre Lehnhoheit zurückgegeben wurde und welches im späteren Verlauf durch das Schicksal an Schweden gekommen war. In gerechten Verträgen und zu einem gerechten Preis erwarb er es bis zur Peene und verleibte es seinem Staate wieder ein im Jahre 1719 und ließ dieses Brandenburger Tor erbauen“.


Ganz oben auf dem Prachttor befinden sich Viadrus, Gott der Oder, und das Panorama von Stettin. Das Tor beherbergt heute ein Kammertheater. Dort nahm auch der Weg von Stettin nach Berlin, die ehemalige Berliner Straße, seinen Anfang. Bevor wir diese Straße erkunden konnten, wurden wir durch unsere Gastgeber zu einem ausgiebigen Mittagessen eingeladen. In dem urigen, gemütlichen Restaurant „Wiarus” servierte man uns Wiener Schnitzel und Pierogi in Mengen, die unsere Erwartungen bei weiten übertroffen haben.


Nach dem Mittagessen ging es weiter, dank der Gastfreundschaft unserer Gastgeber und der Leiterin des Kindergartens „Chochlik” durften wir die ehemalige Herrschaftsvilla „Willa Ida” mit ihrer ursprünglichen Ausstattung besichtigen. Dort, wo heute Kindergartenkinder toben, gibt es wunderschöne alte Fenster, einen riesengroßen Kamin, Eichenholztüren, alte Möbeln, beim Besichtigen hatte man den Eindruck in die Vergangenheit versetzt worden zu sein. Auf dem Dachboden gab es ein Fenster mit zwei Löchern; dienten sie zum Schießen? In einem riesengroßen Garten wächst eine gewaltige Buche, wenn sie reden könnte, würde sie wahrscheinlich sowohl auf Deutsch als auch auf Polnisch reden können. Von der Piasten Allee setzten wir unsere Reise fort in Richtung ehemaliger Berliner Straße, heute Mieszko I Straße. Beide Namen spielen an pommersche Herrscher Dynastien an: die Piasten – und die Herzöge der Barnim Dynastie.
Der erste historisch belegte Piast war Mieszko I, weshalb es sich anbot, die Verlängerung der Piasten Allee nach ihm zu benennen.

Unsere nächste Etappe war Scheune (Gumieńce), der westlichste Bezirk Szczecins). Früher gab es dort Felder, Wiesen, Landwirtschaft und Gärtnereien, was den deutschen Namen der Siedlung erklärt.


Wir fuhren an dem 1900 gegründeten Friedhof, den drittgrößten Friedhof Europas, vorbei. Außerhalb des Friedhofs befinden sich seit über hundert Jahren Schrebergärten. Die deutschen Besitzer ersetzte der Lauf der Geschichte durch die polnischen Schrebergärtner. Wir hielten an einer holländischen Mühle, die noch nach dem Krieg zum Mahlen des Mehls diente. Leider zerfällt das Haus des Müllers, die Mühle selbst scheint dank dem neuen Besitzer und einer gründlichen Renovierung noch lange Zukunft vor sich zu haben.
Unterwegs zu Stettin-Scheune hielten wir kurz bei einer alten Kirche aus dem Ende des 15. Jahrhunderts an.

Vor der Kirche steht ein Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Den preußischen Adler auf dem Denkmal ersetze Christus. In der Nähe der Berliner Straße steht ein verlassener und zerfallender Gutshof des Besitzers des ehemals berühmten Alkoholkonzerns in Stettin, Rudolf Rückforth. Der Gutshof wartet auf bessere Zeiten, die die alte Zuckerfabrik in der Berliner Straße leider nicht erlebt hat. Nur das Haus des Fabrikdirektors ist erhalten geblieben.


Der Bahnhof Stettin-Scheune ist in der Nachkriegsgeschichte der Stadt ein Ort gewesen, wo die vertriebenen Deutschen unter extremen Bedingungen auf ihren Transport nach Deutschland warteten. Viele haben den Weitertransport nicht mehr erlebt. Vor dem Bahnhofsgebäude stehen zwei Hydranten für die Feuerwehr, unser Reiseführer Robert behauptet, dass sie immer noch einsatzbereit seien.


Wir bedanken uns bei unseren Gastgebern für die liebevoll vorbereitete Reise in einer sehr herzlichen Atmosphäre und versprechen, wiederzukommen.


Übersetzte aus dem Polnischen Joanna Trümner