Stettiner Straße

Stettiner Straße in Wedding ist nach der Zielstation der Bahnstrecke Berlin-Stettin benannt, die von der Berlin-Stettiner Eisenbahngesellschaft betrieben wurde.

 

Anbei einige geschichtliche Impressionen, rund um die Stettiner Straße

Auf dem ersten Bild eine alte Gaststätte in der Stettiner Straße

Die Badstraße war bis zum Bau der Mauer eine beliebte Einkaufstaße

Der heutige Zustand der Infotafel am Ende der Grüntaler Promenade, die 2002 vom Grünflächenamt aufgestellt wurde. Die Behörde wurde inzwischen um eine Instandsetzung gebeten.

Stelltafel_Stettiner_Grünzug (2)

 

 

Grünzug auf dem Gelände der ehemaligen Stettiner Eisenbahn

(Text der Stelltafel auf dem Grünzug)

 

Die Geschichte des Stettiner Grünzugs

Der hinter den Häusern der Grüntaler Straße versteckte „Stettiner Grünzug“ fällt durch seine ungewöhnlich schmale und langgestreckte Form auf. Sie entstand durch die Berlin-Stettiner Eisenbahn, die hier von 1842 bis zur ihrer Verlegung 1897 entlang führte. Diese Eisenbahnstrecke war die dritte in Berlin und führte über Bernau und Angermünde zur Hafenstadt Stettin (heute Szczecin) an der Ostsee. 80 bis 100 Dampfzüge fuhren in den 1890er Jahren täglich nach Greifswald, Anklam, Pasewalk, Prenzlau und weiter nach Stralsund und auf die Insel Rügen.

Zur Planungszeit der Eisenbahn zwischen 1836 und 1842 wurde die Gegend um den Gesundbrunnen vom genehmigenden Berliner Polizeipräsidium noch als „wüst“ bezeichnet. Sie bestand nur aus den Kuranlagen am Luisenbad und einigen Wohnhäusern. So erwartete man in diesem ruhigen Vorort „keine Hemmung der Passage“ und die gesamte Strecke ausgehend vom Stettiner Bahnhof (heute Nordbahnhof) wurde ebenerdig, d.h. ohne Unter- oder Überführungen erbaut. So entstand auch ein Bahnübergang mit Schranken an der nahen Badstraße. Dahinter, entlang der heutigen Grüntaler Straße, wurde die Strecke bald auf einem Damm geführt. An der Bellermannstraße war er bereits so hoch, dass man einen schmalen Durchlass für Fußgänger baute, der im Volksmund „Eselsbrücke“ hieß, gemünzt auf die unachtsamen Passanten, die sich beim Durchschlupf den Kopf stießen.

Die Ruhe des Vorortes und das problemlose Nebeneinander von Straße und Eisenbahn sollte sich aber bald ändern. Der Gesundbrunnen mit der Badstraße entwickelte sich besonders in der Gründerzeit der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts zu einem stark frequentierten Stadtteilzentrum, das in seiner Lebendigkeit und im Geschäftstreiben dem heutigen in nichts nachstand. Der Unterschied war nur, dass bis zu 100 Züge, davon 30 Güterzüge die Straße passierten. Der Bürgerprotest gegen die behindernden Schranken eskalierte erstmals, als die Bahnverwaltung die Überführung ihrer Gleise durch die neue Pferdebahn verhindern wollte, was sie aber bald (1873) aufgrund des öffentlichen Drucks zurücknehmen musste. Es kam auch immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen an den Schranken. So wurde beispielsweise 1890 mutwillig ein Signal zerstört, weshalb die Schranke nicht geschlossen wurde und ein herannahender Zug fast eine mit vielen Passagieren gefüllte Pferdeeisenbahn mitriss. Trotzdem ließ die Verlegung der Eisenbahngleise auf den 1871/72 eröffneten Nordring aufgrund finanzieller und technischer Schwierigkeiten, noch bis 1897 auf sich warten.

Die frei gewordene Bahnfläche wurde 1898 von Richard Ballschmieder gemietet, der bereits auf dem Nachbargrundstück eine Restaurations- und Vergnügungseinrichtung führte, die den Namen „Ballschmieders Kastanienwäldchen“ führte. Durch die Grundstücksvergrößerung konnte er seinen prachtvollen Garten mit weiteren Gebäuden wie z.B. einer dekorativ gestalteten Säulenhalle vergrößern. In Ballschmieders Konzertsaal spielten 1899 sogar die Berliner Philharmoniker. Der Vergnügungsgarten, dem 1905 ein Kino angegliedert wurde, existierte bis er im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel. Nach dem Krieg entwickelte sich die Badstraße zu einem Einkaufszentrum für Käufer aus dem nahen Ost-Berlin. Dabei war besonders die „Ladenstraße15a“  bekannt, die sich auf dem ehemaligen Bahngelände weit nach hinten erstreckte und all das anbot, was im Osten des Landes knapp war. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 war auch dieses Kapitel beendet. Das Gebiet wurde daraufhin an Kleingewerbetreibende und Garagenbauer verpachtet.

Neugestaltung der Stettiner Straße

Mit Fördermitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist ab 2002 mit der Umsetzung der Grünzuges auf der ehemaligen Stettiner Trasse begonnen worden. Der Plan, die alte Bahnfläche in einen Grünzug umzuwandeln, fand sich erstmals im Flächennutzungsplan der Stadt Berlin von 1965.

Durch die Einweihung des 1. Bauabschnittes des Grünzuges auf der Bad- und der Bellermannstraße am 11.September 2003 wurde der erste Teil eines Bauvorhabens abgeschlossen, das ein vordringliches städtebauliches Ziel des Bezirksamtes Berlin-Wedding im Sanierungsgebiet Stettiner Straße zur Behebung des Grünflächendefizits war. Gleichzeitig wurden die historischen Vorgärten in der Bellermannstraße wieder hergestellt.

Eine Besonderheit bei der Umsetzung des Projektes ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am Bauprozess. Mädchen des interkulturellen Zentrums für Mädchen und junge Frauen (MÄDEA) und Jugendliche des Freiwilligen Sozialen Jahres des SOS Kinderdorfes haben als attraktiven Blickfang eine Mosaikbank gestaltet, die in der Tradition der Werke des panischen Architekten Antoni Gaudí steht.

Geplant wurde der Grünzug vom Bezirksamt Mitte Abt. Stadtentwicklung, LUV Umwelt und Natur, Herrn Haase. Die Ausführung hat das Büro der Landschaftsarchitektur D. Kahlert entwickelt.

Die bauliche Umsetzung der Maßnahmen ist durch die Bauleitung Divergenz GmbH koordiniert worden. Die Fa. Flöter und Uszkureit GmbH haben mit Mitarbeitern einer durch die Arbeitsverwaltung geförderten Vergabe-ABM, die Baumaßnahmen ausgeführt. Für die Projektleitung und – steuerung  ist die L.I.S.T GmbH –Stadtentwicklungsträger und Treuhänder des Landes Berlin verantwortlich gewesen.

 

Anmerkung: LUV – eigentlich LuV  bedutet “Leistungs und Verantwortungszentrum”.