VI. Internationaler Literaturwettbewerb „Jugend schreibt Gedichte“

Berlin 2018 – Entscheidung der Jury

Und das sind die Preisträger unseres diesjährigen Wettbewerbs:

 

Kategorie Ia: eigenes Gedicht in polnischer Sprache, Jugendliche außerhalb Polens, bis 14 Jahre

  1. Platz – Kornelia Wójcik, (12), Luxemburg, „Przyjaciel” („Der Freund“)

Es ist ein poetisches, metaphorisches Gedicht über die Freundschaft, Kornelia. Als Symbol eines echten Freundes hast Du einen Baum erwählt, eines der wunderbarsten Naturgeschöpfe überhaupt. Einen starken, sicheren Baum, der Schutz bietet, dem man seine Geheimnisse und innersten Erlebnisse anvertrauen kann. Einen solchen Freund wünschen wir uns alle! Und natürlich auch solche Gedichte!

  1. Platz – Lara Kot, (8), Berlin, „Przy stole wigilijnym” („Am Weihnachtstisch”)

Das Gedicht ist ein humorvolles Bildnis einer Familie an einem Feiertag. Mit leichter Distanz und Augenzwinkern beschreibst Du, Bartosz, verschiedene Eigenschaften, Verhaltensweisen und Angewohnheiten der Familienmitglieder, benutzt dabei bewusst gängige Reime wie „ciocia – Klocia”, „siostrzyczki – księżniczki”. Du bist ein guter Beobachter, kannst die Atmosphäre und Stimmung von Zuhause wiedergeben und dabei ohne eine Spur von Bosheit satirisch sein. Bravo!

 

III. Platz – Bartosz Sadowski, (11), Belgien, „Moja mama wróżka” („Meine Mama die Fee”)

Bartosz, Du hast das Gedicht über Deine Mama einfach, ruhig, herzlich und schlicht geschrieben, ohne hochtrabende Worte. Deine Mama ist eine wunderbare Fee des Alltags, sie bewacht Dich und kümmert sich den ganzen Tag lang um Dich. Sie zaubert Dir alles her, wovon Du träumst. Ach, unsere lieben Feenmütter! Wir danken Dir dafür, dass Du uns diesen Zauber bewusst gemacht hast, dessen Quelle die direkt aus dem Herzen kommende Liebe ist!

Kategorie Ib: eigenes Gedicht in polnischer Sprache, Jugendliche außerhalb Polens, bis 19 Jahre

  1. Platz – Zuzanna Kotwicka, (15), Luxemburg, „Gość” („Der Gast”)

Dieses Gedicht ist ein echtes, lebensnahes Bild einer Partnerbeziehung. Anfängliche Verzauberung, Versprechungen, dann der Zusammenstoß mit der Routine des Alltags und… die Trennung, aber „Warten wir mal ab, dann werden wir sehen“. Diese Lebenssituation, die vielen Menschen bekannt ist, beschreibst Du auf eine interessante, oft überraschende Weise, und beendest das Gedicht mit einer außergewöhnlichen Pointe. Du bist eine gute Lebensbeobachterin. Wir gratulieren Dir zum I. Platz!

  1. Platz – Sarah Trampert, (17), Berlin, „Taka Polska” („Solch ein Polen“)

Ein Gedicht über die Heimat, ohne Stereotype und Pathos. Beim Beobachten der Realität breitest Du Deine Vision vor uns aus. Ordentliches künstlerisches Handwerk, gute Reime, gute Stimmung, interessante Form eines Traum-Gebets. Deine Botschaft erweckt Reflexion, zwingt zum Nachdenken. Wir haben mit Dir zusammen zu träumen angefangen!

Sonderauszeichnung anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Polens 1918-2018

III. Platz Maja Mazur, (17), Köln, ***

Welch ein charmantes Gedicht über die erste Liebe! Es berührt und ruft Erinnerungen bei jedem hervor, der sie erlebt hat. Ach! Man wünscht sich, noch einmal so verzaubert, verliebt zu sein! Liebe Maja, wir warten auf weitere Gedichte.

Kategorie Ic: eigenes Gedicht in polnischer Sprache, Jugendliche aus Polen, bis 14 Jahre

  1. Platz- Filip Paprota, (13), Węgrzyce Wielkie, „Rynna” („Die Dachrinne”)

Es ist ein absolut überraschendes, ungewöhnliches und innovatives Gedicht. Es erstaunt, amüsiert und unterhält. Ein Gedicht, auf das man wie auf ein Geschenk und eine Überraschung wartet. Du hast Talent und einen Sinn für Humor, die aus der Welt des Absurden stammen. So viele gewöhnliche, banale Dinge aus der uns umgebenden Realität warten auf ein weiteres Gedicht von Dir und auf den tosenden Applaus Deiner amüsierten Leser, Filip!

  1. Platz- Antonina Mądzik, (13), Lublin ,***

Mit leichter Distanz und mit Humor beschreibst Du, Antonina, den Zwiespalt einer Autorin, die nach der Idee für ein Gedicht sucht. Die Kunst der Dichtung ist nicht einfach. Es ist eine Herausforderung, die Inspiration und die Kenntnis der Schreibregeln braucht. Obwohl die Autorin nach Unterstützung sucht, kommt sie selbst doch wunderbar zurecht und beherrscht gekonnt die Sprache. Sie präsentiert uns ihre poetische Kunstfertigkeit, gute Reime, Rhythmus und eine passende Pointe. Bravo! Dir wird es sicherlich nicht an Ideen für weitere Gedichte mangeln!

III. Platz ex aequo- Patrycja Wiśniewska, (13), Czersk, Michał Chodyka, (11), Międzyrzec Podlaski, „W moim domu” („Bei mir zu Hause”)

Warum ex aequo? Beide Gedichte handeln vom Zuhause, doch wie unterschiedlich sind die Erfahrungen der beiden Autoren! Michał baut das Bild von Ruhe, netter Atmosphäre, Wärme und Sicherheit auf. Ein stimmungsvolles Gedicht, das mit seinem Inhalt harmonisiert. Patrycja spricht mutig schwierige und heikle Familienprobleme an. Sie ist ehrlich. Es ist ein sehr spannendes, echtes, berührendes und sehr wichtiges Gedicht.

Kategorie Id: eigenes Gedicht in polnischer Sprache, Jugendliche aus Polen, bis 19 Jahre

  1. Platz ex aequo- Artur Merc, (18), Węgrzyce, „Przyjaźń” („Freuschaft”)Marta Rachwał, (18), Lublin,” Kasztany” („Kastanien”)

Warum ex aequo? Zweit thematisch und handwerklich gesehen völlig unterschiedliche Gedichte, doch beide sind in künstlerischer Hinsicht vollkommen. Das Gedicht von Marta ist eine malerische Erzählung voller schöner, poetischer Naturbilder. Ein sehr durchdachtes, kohärentes, rhythmisches Gedicht mit guten Reimen. Klassik im besten Sinne dieses Wortes. Das Gedicht von Artur ist reine Kunstfertigkeit, modern, in einer puristischen Form geschnitzt. Ihr seid wunderbar!

 

  1. Platz – Julia Jurkiewicz, (17), Lublin, ***

Ein wunderschönes, in seiner Konstruktion einfaches, durchdachtes Gedicht über die Vergänglichkeit. Gutes künstlerisches Handwerk ohne überflüssige Worte, das zur Reflexion über das Leben zwingt. Liebe Julia, trotz stürmischer Diskussionen blieb uns noch die Zeit, ein paar Tränen zu vergießen.

III. Platz – Wiktoria Wojciechowicz, (19), Gorzów Wielkopolski, „Dobry człowieku…” („Guter Mensch”)

Eine sehr wichtige Stimme einer jungen Bürgerin, die gegen Heuchelei und Doppelzüngigkeit protestiert. In der Konvention einer Reportage geschrieben, endet das Gedicht mit einer guten künstlerischen Pointe und ist deshalb überraschend. Liebe Wiktoria, wir warten auf Deine Presse- und Fernsehreportagen.

Kategorie IIa: eigene Übersetzung eines Gedichtes aus dem Polnischen ins Deutsche, bis 14 Jahre

  1. Platz- Tymoteusz Sowa, (13), Węgrzce Wielkie, „Der Sturm”, Original: Adam Mickiewicz „Burza”

Es ist Dir gelungen, das Gedicht von Mickiewicz genial ins Deutsche zu übersetzen Tymoteusz. Es war sprachlich schwierig, das Gedicht hat eine vielschichtige Atmosphäre. Uns haben die Kunstfertigkeit und der Wortklang Deiner Übersetzung begeistert. Gib noch ein wenig Reim dazu und aus Dir wird ein neuer Goethe. Wir freuen uns auf Deine weiteren Texte.

  1. Platz – Inga Egilsdóttir, (9), Berlin, „Mein Traum“, Original: Dorota Gellner „Mój sen”

Deine Übersetzung lässt sich glatt lesen, Inga. Sie ist kohärent und glaubwürdig, aber nicht sklavisch in Bezug auf das Original. Du hast ihre Dynamik und Freude hinzugefügt. Während unserer Beratungen konnten wir uns Dich gut vorstellen, wie Du mit einem Springseil springst. Wir hoffen, Dich in den weiteren Auflagen unseres Wettbewerbs zu sehen!

III. Platz – Janusz Blaschkowski, (13), Berlin, „Die Verliebte“, Original: Małgorzata Hillar „Zakochana”

Eine solide Arbeit! Du hast die Gedichtform und die Atmosphäre gut beibehalten. Wir denken, dass Małgorzata Hillar zufrieden, ach was, stolz auf eine solche Übersetzung wäre. Herzlichen Glückwunsch!

Kategorie IIb: eigene Übersetzung eines Gedichtes aus dem Polnischen ins Deutsche, bis 19 Jahre

  1. Platz – Paulina Gacek, (17), Kraków, „Zwei Plappertaschen”, Original: Jan Brzechwa „Dwie Gaduły”

Brzechwa vor Herbert und Miłosz! Unglaublich! – sagten die Profis der diesjährigen Jury. Und doch! Für Deine ungewöhnliche Kreativität bei der Erfindung von Bezeichnungen, Namen, Orten und Ereignissen und das gleichzeitige Beibehalten des Humors und der Essenz von Brzechwas Kunst verleihen wir Dir den ersten Platz, Paulina. Du bist auf dem Weg zur Meisterschaft, schreibe also weiter und versuch Dich an der Literatur.

  1. Platz ex aequo – Narine Kuczyńska, (17), Jelenia Góra, „Ehescheidung”, Original: Wisława Szymborska „Rozwód”

Deine Übersetzung steht dem Original sehr nahe, Narine. Sie hat einen guten Rhythmus und ist dynamisch. Es ist Dir fantastisch gelungen, die Atmosphäre des Gedichts und die darin herrschende Bewegung und Chaos ins Deutsche zu übertragen. Wir warten auf Deine weiteren Arbeiten!

  1. Platz ex aequo – Krzysztof Machnik, (17), Kraków, „Steinchen”, Original: Zbigniew Herbert „Kamyk”

Deine Interpretation dieses schwierigen Gedichts von Herbert gefällt uns. Sie steht sprachlich auf einem hohen Niveau. Wir erklären nicht, warum Du zusammen mit Narine ex aequo diesen Preis erhalten hast, wir haben einfach beschlossen, dass beide Arbeiten es wert sind.

III. Platz – Emilia Młodzianowska, (17), Kraków, „Zur Begrüßung”, Original: Czesław Miłosz „Na dzień dobry”

Mit Deinem Text bringst Du dem deutschen Leser Czesław Miłosz näher. Die Stimmung und die Bilder des Gedichts werden so genau wie nur möglich wiedergegeben. Es ist Dir gelungen, Deinen eigenen, persönlichen Rhythmus zu kreieren. Deshalb verleihen wir Dir den dritten Platz.

Kategorie IIIa: eigene Übersetzung eines Gedichtes aus dem Deutschen ins Polnische, bis 14 Jahre

  1. Platz – Linda Smuda, (13), Dobrzeń Wielki, „Siedzi ptaszek”, Original: Wilhelm Busch „Es sitzt ein Vogel”

Hol‘s die Gans! Die Jury entschied sich laut schnatternd für Deine Übersetzung für den ersten Platz, Linda. Der Grund? Du hast den positiv verrückten Humor von Wilhelm Busch gut widergegeben, und dabei eine „Kopf-hoch-Übersetzung“ gemacht, die die Stimmung und Thematik des Gedichts wiedergibt, sich aber nicht sklavisch an den Quellentext hält. Wir warten ungeduldig auf die nächsten Perlen!

  1. Platz – Wurde nicht vergeben.

III. Platz – Antonina Klara Stańczyk, (11), Dobrzeń Wielki, „Historia latającego Roberta”, Original: Heinrich Hoffman „Die Geschichte vom fliegenden Robert“

„Wo der Wind Dich hintragen wird?” Antonina? „Ja, das weiß kein Mensch zu sagen.” Du bist erst 11 Jahre alt! Und hast die Fantasie einer erfahrenen Dolmetscherin. Wir sind mit Dir geflogen! Wir hoffen, dass Du unserem Wettbewerb treu bleibst.

Kategorie IIIb: eigene Übersetzung eines Gedichtes aus dem Deutschen ins Polnischen, bis 19 Jahre

  1. Platz – Maria Tomaszewicz, (18), Kraków, „Był sobie król”, Original: Heinrich Heine „Es war ein alter König”

Deine Übersetzung ist vollkommen, Maria! Wir können uns keine bessere vorstellen. Du hast uns damit in eine märchenhafte Stimmung gebracht. Und außerdem gibt es nur einen König! Und nur ganz wenig bessere Gedichte und Übersetzungen. Chapeau bas, also Hut ab!

  1. Platz ex aequo – Katarzyna Kałkus, (16), Lublin, „Trzy wróbelki”

Original: Christian Morgenstern „Die drei Spatzen”

Katarzyna, Du hast es besser übersetzt als es Morgenstern selbst gemacht hätte. Mit Fantasie, Humor und netten Bildern für die Augen. Wir lieben Gedichte mit einem Sinn für Humor. Schreib weiter!

  1. Platz ex aequo – Weronika Krzyżak, (17), Kraków, „Twój list”, Original: Heinrich Heine „Der Brief, den du geschrieben“

Du hast uns mit Deiner Arbeit gezeigt, dass man ein kurzes Gedicht mit noch komprimierteren Worten übersetzen kann als der Autor selbst es geschrieben hat. Dein Stil erinnert uns an Mickiewicz, ist jedoch bündiger und kompakter. Bravo!

III. Platz ex aequoJolanta Wójtowicz, (17), Lublin,„Na plaży”, Original: Marie Luise Kaschnitz „Am Strande“, Martyna Katarzyna Poniewozik, (17), Lublin, „Jesienny wiersz”, Original: Theodor Storm „Herbstgedicht“

Beide Übersetzungen bringen uns in eine kreative Stimmung, beide sind schöpferisch und voller Ideen. Und da die Jury nicht imstande war zu entscheiden, welche sich besser lese, haben wir beschlossen, den Preis ex aequo zu verleihen. Jolanta danken wir darüber hinaus für die Übersetzung der hervorragenden deutschen Lyrikerin Marie Luise Kaschnitz. Es ist eine Premiere, keiner der Jugendlichen in unserem Wettbewerb hat bisher diese Dichterin übersetzt.

Lobende Erwähnung

Magdalena Szulc, (16), Kraków, „Król Olch”, Original: Johann Wolfgang von Goethe „Der Erlkönig“

Liebe Magda, vor Dir haben acht Dichter mit diesem Text gerungen und wir dachten, da ließe sich nichts Neues mehr erfinden, und doch! Mit Deiner Übersetzung hast Du gezeigt, dass es eine Kunst ist, die sich unaufhörlich entwickelt, und dass die polnische Sprache imstande ist, noch eine neue Übersetzung zu tragen. Die Latte war sehr hoch angesetzt, es ist Dir gelungen, weit über sie hinweg zu springen!

Wir gratulieren den Preisträgern sehr herzlich!

 

Jury des Wettbewerbs: (…)Jury des Wettbewerbs: Dorota Danielewicz, Schriftstellerin und Journalistin; Urszula Czerska, Übersetzerin; Andreas Visser, Textautor; Kamila Zimmermann, Germanistin und Fotografin; Barbara Rejak, Slawistin und Vorsitzende des Polnischen Schulvereins „Oświata”; Jakub Nowak, Pädagoge; Anna Jas, Polonistin; Hanna Synowiecka, Polonistinund Journalistin; Magdalena Lepianka-Nowak, Lehrerin für polnische Sprache; Felix Hudec, Student, Preisträger des Wettbewerbs; Natalia Kowalczyk, Studentin, Preisträgerin des Wettbewerbsund Celina Muza, Schauspielerin, Projektkoordinatorin und stellv. Vorsitzende des Vereins POLin Polnische Frauen in Wirtschaft und Kultur e.V

Der VI. Internationale Literaturwettbewerb „Jugend schreibt Gedichte” wird dank der finanziellen Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Botschaft der Republik Polen sowie privater Sponsoren realisiert.

Celina Muza

Foto: Krystyna Koziewicz